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La Rose du Sable

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Montag, 15 Juli 2013 13:47

Das GMO mit dem BuJazzO und dem mauretanischen Sänger Cheickh Lehbiadh im Mai 2013 in Dakar

Mike Hertings GlobalMusicOrchestra in Senegal und Guinea-Bissau - ZDF Aspekte berichtet

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Freitag, 14 Juni 2013 11:00

Das ZDF Kulturflagschiff ASPEKTE läßt es sich nicht nehmen, in der Sendung am 14.06.2013 um 23:00 Uhr über den großen Erfolg des GlobalMusicOrchestra bei seiner Tournee im Mai 2013 durch die afrikanischen Staaten Senegal und Guinea-Bissau zu berichten. Ein Team hat Mike Herting und die Musiker begleitet. Nach der Ausstrahlung ist Sendung auch noch in der ZDF Mediathek zu sehen.

Mike Herting / GlobalMusicOrchestra auf Afrika-Tournee mit dem BuJazzO

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Montag, 06 Mai 2013 09:59

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Das BuJazzO (Bundesjazzorchester) geht vom 9.5. bis 1.6.2013 auf große Westafrika-Tournee. Und zwar unter der Leitung von Mike Herting, GlobalMusicOrchestra. Alle Details finden sich in der schönen Tourbroschüre des Deutschen Musikrats, s. Link oder hier direkt zur PDF-Datei: http://bit.ly/18eydjo

http://www.bundesjazzorchester.de/aktuelles/tournee-westafrika-2013.html

Der Fluss Senegal

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Dienstag, 16 April 2013 14:43

Seit jeher ist der Fluss Senegal die Grenze zwischen Schwarzafrika und dem arabischen Teil des Kontinents. Die Geschichte zeigt uns immer wiederkehrende Eroberungszüge aus dem Süden; aus dem Osten kamen die Araber, um sich an den fruchtbaren Küstenstreifen niederzulassen und über die kurze Mittelmeerstrecke nach Gibraltar fand der Austausch mit Europa statt, der im Slavenhandel mündete.

Von Dakar nach Köln oder Kleine Kamele

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Samstag, 16 Februar 2013 02:58

16.02.2013

Von Dakar nach Köln oder Kleine Kamele

Es war der erwartet elende Rückflug von Dakar, um 23.15 Uhr ging die Maschine nach Madrid. Um kurz nach vier dort angekommen musste ich knapp fünf Stunden auf den Weiterflug nach Düsseldorf warten. Wie auf allen modernen Flughäfen haben auch in Madrid sadistische Innenarchitekten die Stuhlreihen so mit Lehnen versehen, dass man auf keinen Fall darauf liegen kann; stellen die sich vor, dass der Flughafen nachts von Pennern infiltriert wird, die Augen und Geruchssinn der morgendlichen Konzernkrieger belästigen könnten? Unter Aufbietung akrobatischer (Hallo?) Fähigkeiten gelang es mir, mit schmerzenden Lenden und Knochen, die sich um die metallenen Folterinstrumente falteten, eine halbe Stunde zu dösen. Dann resignierte ich und wanderte die das Oberlicht spiegelnden blankgeputzten Fliesen entlang, bis mir schwindlig wurde, im Ernst. Gut, dass endlich ein Café aufmachte, und gut, dass ich die spanische Art mag, die mich mich gleich innerlich aufrichten lässt, wenn ich nur höre, wie der lässige Caballero hinter der Theke mich mit :"Que quieres tomar?" nach meinen Wünschen fragt. Endlich saß ich in dem mit Fußballfans (Real Madrid gegen United Manchester am Vorabend!) vollgestopften Flieger nach Düsseldorf. Die Fans waren genauso erledigt wie ich, und gemeinsam verbrachten wir zwei weitere miserable Stunden in dem für Zwerge gebauten Apparat. Am Flughafen wartete der gute Heiner Wiberny mit Hut und Mantel für mich, Heiner war gerade vor mir in Dakar und weiß über das bittere Schicksal des nachts von Afrika Zurückfliegenden.
Genug davon, umso schöner war mein Bett, das ich allerdings erst nach Beantwortung der jetzt ständig auflaufenden Emails aus Afrika zu sehen bekam. Seit heute morgen geht das weiter, ich bin in Köln und Afrika zugleich, erst ein Treffen mit den Kollegen vom Globalmusicorchestra, Walter Pütz und Ralf Plaschke, die CD von Djiby Diabate und mir ist fertig!, sie  heißt "Saint-Louis Blooze", beim nächsten Mal mehr davon. Dann kam Dominik Seidler vom Deutschen Musikrat, der dort für das BuJazzO zuständig ist. Dominik ist ein verlässlicher und enthusiastischer Partner, der es ertrug und möglich machte, dass ich meine in meinem Kopf gespeicherten Informationen durch ihn und seine Tastatur hindurch in vierstündiger, intensiver und pausenloser Prozedur auf seine Excel-Tabellen übertragen konnte, die wiederum erst unsere Reise möglich machen....ich musste die Zahlen und Daten unbedingt loswerden, um Platz für die Musik zu schaffen, die jetzt aber auch unbedingt rausgelassen werden will und schon heftig drängelt. Tja; so dachte ich jedenfalls, und liege nun hier um drei Uhr morgens, es rattern Afrika und Ziffern, Möglichkeiten und Probleme, und vor allem Erinnerungen an Menschen und Augenblicke der letzten drei Wochen in mir herum. Was soll's, ich schick das hier jetzt ab und dann zähl ich halt Schäfchen. Oder Zicklein. Oder vielleicht besser kleine Kamele.

Abschied von Westafrika und Mein Bett

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Mittwoch, 13 Februar 2013 11:54

13.02.2013

Abschied von Westafrika und Mein Bett

Wie immer, so erlebe ich auch diesmal den Abschied von Westafrika mit gemischten Gefühlen. Auf der einen Seite bin ich nach dieser Reise so müde wie selten zuvor und freue mich auf mein eigenes Bett. Mein Bett! Auf der anderen Seite wird mir die Unmittelbarkeit und Fröhlichkeit der Westafrikaner im täglichen Leben fehlen. Wie immer ist es die Brüderlichkeit, die wichtigste(?) der drei Errungenschaften der französischen Revolution, die ich in Europa vermissen werde. Immer dort, wo Freiheit und Gleichheit unter Druck sind - und das ist eben in Westafrika leider der Fall - blüht das brüderliche Verhalten auf, dessen Abwesenheit in Europa man bei jedem Versuch, die Straße zu überqueren, beobachten kann. Bei all meinem - wie ich finde berechtigten - Stolz auf die Errungenschaften meiner Heimat - so zum Beispiel das soziale Netz, relative geringe Korruption, die Schulpflicht, die auch durchgesetzt wird - beklage ich dennoch die soziale Kälte, das überbordende Ego und das verbissene Beharren auf sein Gutes Recht, wie wenig schlüssig dieses auch sein mag. Die orale Kultur in Afrika bedingt Kommunikation; wenn es keine Stadtpläne gibt, muss man fragen; wenn keine Öffnungszeiten angegeben werden, muss man fragen. Dieses Bewusstsein, nämlich dass man auf andere angewiesen ist, dass man ohne den anderen nicht weiterkommt, ist naturgemäß in Afrika viel stärker als im ichbetonten Abendland. Dadurch ergibt sich in meinen Augen eine angenehme Zivilität, die eigentlich nur den Augen und Herzen eines Toubab(Weißen) verborgen bleibt, der von Armut und Schmutz abgelenkt eben glaubt, dass Zivilisation und - sagen wir - Mercedes ein und dasselbe sind! Ich will keinesfalls all die Missstände, die ich in Afrika sehe und fühle, verschleiern, sondern möchte nur feststellen, dass wir Europäer auch von Afrika und seinen Bewohnern lernen können, so seltsam und geradezu widersinnig es auch einem Europäer erscheinen mag, der Afrika nur aus der Presse kennt, die natürlich mit Berichten über mit Kalaschnikoff bewaffnete Kinder (die es ja auch leider gibt!) mehr Aufmerksamkeit erregt - sprich Geld verdient - als mit Berichten über das zivile Verhalten von Menschen, die ja noch nicht mal ein Wasserklosett besitzen!
Genug davon, gestern gab es die gute Nachricht, dass das Festival von Saint-Louis das BujazzO endlich offiziell einladen wird. Dadurch steht unser Tourplan, der zwar sicherlich noch da und dort verändert werden wird, aber auf den wir uns jetzt stützen können. Es wird ein Fest der Kulturen werden, da bin ich mir sicher. Alle meine Partner in Afrika wissen um die Bedeutung unserer Aktion, sie erklären mir, wie wichtig so ein Austausch für sie selbst ist, und ich selber bin gespannt wie ein Flitzebogen, was sich noch über das hinaus, was ich sowieso erwarte, ergeben wird! Wer nicht dabei ist, ist selber Schuld! Für ein paar Tage werde ich den Blog aussetzen, aber bitte, bleibt dabei und checkt mal ab und zu, wenn ich mich erholt habe, werde ich weiter berichten. A bientot!

P.S. Im Anhang noch eine Hymne auf.... Mein Bett!

11 - Mein Bett

Gut, dass es mir gehört! Meine Zuflucht, meine Burg, meine Heimat, meine Geborgenheit, meine einzige ungebrochene Verbindung zur Kindheit, meine Höhle und mein Schloss, und all dies einzig mir! Wie bequem oder luxuriös der Mensch auch reist, nichts vergleicht sich in der Entspannung mit dem erleichterten Sinken in die eigene Schlafstelle, den eigenen Geruch, die eigene, einzigartige und einzig völlig akzeptierte Bakterienbrutstätte und Unsauberkeit der ganzen Welt!
An diesem meinem Ort verbringe ich wie die Mehrzahl der Menschen in dem ihren mit Abstand die meiste Zeit meines Lebens, mein Bett umfängt mich in allen meinen Zuständen der Lust, des Schmerzes, der Verzweiflung, Freude, Langeweile, es ist Gefährte meiner Liebschaften, meines Triumphs und meines Versagens und schlussendlich - so hoffe ich, ähnlich wie die meisten Menschen - meines Todes. Es ist so eng mit mir verbunden, wie sonst nichts Materielles, in und auf ihm gebäre ich mich wie wir alle so ehrlich und ungeschminkt, wie es mir möglich ist. Jedes beliebige Bett der Welt kann das Bett eines beliebigen Menschen und damit zu dem seinen werden, der Ort, an dem es steht ist wichtig, kann aber wechseln, genauso wie das Bett selbst, das dennoch immerdar das Seine bleibt oder eben wird. So eng mit mir und meinen Gefühlen ist mein Bett verbunden, dass es mir oft lieber als menschliche Gesellschaft ist, nimmt es mich doch fraglos in seine bequeme Umarmung und tröstet mich mit seiner Wärme über viele Unwägbarkeiten des Lebens hinweg. Wenn ich mir die Decke über den Kopf ziehe, ist es nahe an der vergessenen Dunkelheit und Wärme vor meiner Geburt und verspricht mir anstrengungsloses Wohlbefinden wie es doch schon seit jeher mein gutes Recht ist!
Wie grausam ist es, dieses Paradies jeden Morgen viel zu früh zu verlassen! Ist es wirklich die Bestimmung eines jeden Menschen, also zum Beispiel die meine, täglich ungewollt die behagliche Molligkeit des einzigen Ortes, an dem er nichts zerstört oder verbraucht außer Sauerstoff, zu verlassen, um unausgeschlafen in den Wettlauf der Effizienz und der Mehrung des Wachstums zu starten, wobei ja sowieso nichts Gutes herauskommt, wie man tagtäglich beobachten kann? Oder sollte man nicht lieber dem Beispiel des Diogenes folgen, dessen Bett in Form eines Fasses zwar sicher nicht jedermanns Sache ist, der aber schon vor Christi Geburt die Weisheit des Liegenbleibens mit Löffeln gefressen hatte, wie man weiß, und der als leuchtendes Vorbild des Nichtstuns immerhin zu weitreichender Berühmtheit gekommen ist. Und wer weiß, wenn ich liegenbleibe, fällt mir vielleicht etwas ein, denn wo wenn nicht im eigenen Bett hätte ich mehr Muße und Gelegenheit, über Gott und die Welt nachzudenken und vielleicht eine gute Idee zu haben? Wenn man sich überlegt, wie viele Genies wahrscheinlich die unglaublichsten Dinge im Bette liegend ersonnen und erfunden haben, kommt man bald in Versuchung, sich überhaupt nicht mehr zu erheben und in aller Ruhe liegenzubleiben bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag, zu irgend etwas wird es schon gut sein.
Aber halt! Hier zeigt sich eine weitere wunderbare Eigenschaft meines Bettes: Zwar liege ich dort gerne, aber bleibe ich zu lange, dann ist auch wieder nicht recht, weswegen ich dann meistens doch irgendwann aufstehe, und sei es auch nur zur Abwechslung. So richtig ausgeschlafen ist es dann auch eine Freude, den Körper in der Vertikalen zu bewegen, bis man des abends wieder glückselig erschöpft in das vertraute Kissen sinkt. Dieses wünschenswerte Verhältnis zu meinem Bett ist leider, leider äußerst selten, des Öfteren bekomme ich es nicht so häufig zu Gesicht, wie ich es mir wünschen würde, was meine Sehnsucht aber keineswegs schmälert,im Gegenteil.
Ich vermute, fühle, weiß, dass meine Mitmenschen diese Gemeinsamkeit, diese Vertrautheit, diese Gewissheit auf einen Zufluchtsort, den die eigene Schlafstätte darstellt, mit mir teilen, unabhängig davon wo oder wer sie sind. Im Slum in Mumbai hat jeder seine elende, aber doch eben seine Schlafstelle, die er liebt und verteidigt wie der Millionär die fünfzehn Schlafzimmer seiner Luxusvilla, in jeder Behausung und überall steht das Mein-Bett. Welch ein schöner Gedanke, der mich über alle politischen oder religiösen Glaubensgräben hinweg mit allen meinen Mitmenschen verbindet, die wir alle unschuldig in unseren Betten schlafen, vereint in Unbewusstheit und geheimen Träumen.

Rosenmontag in Guinea-Bissau

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Montag, 11 Februar 2013 15:50

11.02.2013


Rosenmontag in Guinea-Bissau


Es ist Rosenmontag in Guinea-Bissau und ich sitze schon wieder im Flugzeug nach Dakar, das gleich abheben wird.
Der für mich größte Unterschied der anderen westafrikanischen Länder zu Guinea-Bissau, ist, dass diese überwiegend muslimisch sind, jenes aber hauptsächlich christlich-animistisch ist. Das manifestiert sich am offensichtlichsten durch den überall erhältlichen Alkohol. Natürlich wirft das die uns auch in Europa sattsam bekannten Probleme auf; der Kulturminister sagte mir, dass die Regierung Glasflaschen verbieten will, weil die angetrunkenen Jugendlichen die Flaschen zerdeppern und die Reste als "arme blanche" benutzen, um damit aufeinander loszugehen. Übrigens erinnert mich das daran, was mir mein guter Freund O. erzählt hat. Dieser ist ein weltberühmter plastischer Chirurg, dessen erste Doktorarbeit vor vielen Jahren in Kroatien abgelehnt wurde. Seine These war damals, dass die muslimischen Länder seit Jahrhunderten in Erfindungen und Entdeckungen hinterher hinken, weil in ihnen "alles was trunken macht" verboten ist.... Alles hat eben seine zwei Seiten. Auf jeden Fall beeinflusst der Alkohol die Kultur in Guinea-Bissau sichtlich. Gestern nahm mich Carlos mit zum Sonntagessen seines Cousins, wir kauften zwei Flaschen Wein als Gastgeschenk. Kaum waren wir angekommen, holte unser Gastgeber eine frische Flasche Whisky hervor, der wir schon vor dem Essen zusprechen sollten. Dazu gab es als "Chips" hyperkross gebackene Schweinehaut; dieses Gericht muss zweifellos ein arbeitsloser Zahnarzt erfunden haben. Danach wurde - wir waren gegen Mittag angekommen - getafelt und getafelt; es gab gebratene Schweinestückchen in sehr scharfer Soße, wiederum kross gebackene kleine Fische und ein der brasilianischen Feijoada ähnliches Gericht aus Okraschoten, Reis, scharfer Soße und Fleischstücken, alles sehr lecker. Zwischendurch gab's immer wieder Wein, Whisky und Bier, nur die Frauen tranken Bissapsaft. Als gegen siebzehn(!) Uhr gebackene Austern aufgetragen wurden, gab ich auf und machte mich auf den ungefähr fünf Kilometer langen Weg in die Innenstadt durch die bunte, Karneval feiernde Menge. Das Klima in Guinea-Bissau ist brutal; sehr heiß und gleichzeitig feucht und staubig, wenn man das glauben mag. Folgerichtig und aufgrund des reichlichen Essens sank ich dankbar ins Bett meines gut gekühlten Zimmers. Den Leiter des IF in Bissau konnten wir leider nicht sprechen, aber er hatte Carlos schon zugesagt, ein Konzert mit dem BujazzO auszurichten. Ein Hotel haben wir auch schon für die gesamte Gruppe gefunden, und Carlos versucht, sowohl einen Bus zu organisieren als auch ein Schiff, das uns zur Ilha de Bubaque bringen wird, wo das Abschlusskonzert der Tournee stattfinden soll. Viel mehr war in den drei Tagen nicht zu erreichen, in Guinea-Bissau geht alles seinen Gang, wer versucht, irgend etwas zu beschleunigen, wird das Gegenteil erreichen. So bin ich froh, mit Carlos einen zuverlässigen Partner zu haben, der alle Welt kennt und in alle Bevölkerungsschichten vernetzt ist. Ich freue mich schon auf eine Rückkehr nach Bissau!

Alaaf!

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Sonntag, 10 Februar 2013 10:27

10.02.2013

Alaaf!


Das erst Mal war ich in Bissau ganz kurz nach dem über 30 Jahre dauernden Krieg gewesen, der das Land in Elend und Armut getrieben hatte. Seitdem bin ich ziemlich regelmäßig alle zwei Jahre gekommen und konnte so die Veränderung im Zeitraffer betrachten. Das erste, was mir diesmal auffiel, war der Straßenverkehr. Gab es vor zehn Jahren außer den Autos der Regierung nur ein paar Uralt-Taxis, so konnte ich dieses Mal schon bei der Fahrt vom Flughafen den ellenlangen Stau bewundern, der sich täglich auf der Ausfallstraße der Stadt bildet. Die allermeisten Straßen sind nicht asphaltiert. Da die Regenzeit in Guinea von Furcht erregender Urgewalt ist, ähneln die Straßen der Stadt den Pisten der Mountainbiker. Es ist ein Wunder, wie die Einheimischen mit ihren oft altersschwachen Vehikeln, diese Wege bezwingen, oft behindert durch liegengebliebene Fahrzeuge, die mit afrikanischer Improvisationskunst und viel Spucke an Ort und Stelle repariert werden; wo auch sonst, denn Abschleppfahrzeuge gibt es genausowenig wie die Müllabfuhr. Nach dem Krieg waren Stromausfälle so häufig (besser gesagt, es gab so selten überhaupt Strom) dass die Einwohner den scheidenden Strom fröhlich mit "Luz Bye" - tschüss Licht - und das Wiederaufflackern des Lichts mit "Luz Bim" - Willkommen, Licht - begrüßten.
Zwar gibt es immer noch häufig Stromausfälle, aber die Situation hat sich merklich verbessert. Inzwischen ähnelt Guinea wieder viel mehr den anderen westafrikanischen Staaten in ihrer Quirligkeit und der Fröhlichkeit der Bewohner; anders als nach dem Krieg, als alles gelähmt darniederlag und der stärkste Eindruck, den ich damals mitnahm, der leere Ausdruck in den Augen der Kinder war. Im Moment ist Karneval in Bissau, der nach portugiesischer Tradition und mit viel einheimischer Musik gefeiert wird. Schwester Alice, eine brasilianische Nonne des Ordens der "Scolapia", also der Schulschwestern ist die Leiterin des örtlichen Gymnasiums. Ich hatte sie kennengelernt, als Carlos und ich ganz zu Anfang den Papierkrieg um unsere Schule ( Eine Schule für Bissau) geführt hatten, sie hat sich tatkräftig um unser Projekt gekümmert. Es gab ein herzliches Wiedersehen und sie lud mich ein, mir das Karnevalsfest ihres Lyzeums anzusehen. Den ganzen Morgen über präsentierten sich die verschiedenen Ethnien Bissaus in ihren typischen Gewändern und Tänzen, für mich eine unschätzbare Gelegenheit, Rhythmen, Bewegungen und Melodien der einzelnen Volksstämme kennenzulernen. Pepel, Balante, Bijagos, Fula, Manjaco, jede Ethnie hat ihre eigenen Traditionen. Das Ganze wurde von Trommeln und Gesängen begleitet, und die ansteckende Fröhlichkeit ließ mich in Zuckungen verfallen, so müssen meine versuchten Tanzbewegungen für die sich vor Lachen die Bäuche haltenden Guineenser ausgesehen haben...
Nach unserer anstrengenden Wiedersehensfeier am Tag zuvor waren Carlos und ich etwas abgeschlagen, sodass wir uns am Spätnachmittag trennten und uns in unsere jeweiligen Behausungen begaben. Endlich hatte ich mal wieder acht Stunden Schlaf! Gleich geht's weiter zur Hotelbesichtigung für das BuJazzO, und hoffentlich können wir noch den Leiter des Institut Francais treffen, der das Konzert in der Hauptstadt organisieren will. Danach werden wir versuchen, auch die Ilha de Bubaque in den Tourneeverlauf einzubeziehen, es gibt heute also Einiges zu tun. Und das Alles im Karneval von Bissau, Alaaf!

Weißwurst in Dakar

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Samstag, 09 Februar 2013 14:50

08/09.02.2013


Weißwurst in Dakar

Mit diesem wunderbaren Titel meine ich beileibe nicht mich selbst oder einen meiner Landsleute, nein, ich habe gestern bei meinen Gastgebern tatsächlich Weißwurst gegessen. Allerdings wurde diese nicht gekocht, sondern mit Olivenöl in der Pfanne gebraten, hoffentlich war das kein Sakrileg. Zur Besänftigung eventueller glühender Patrioten, die das Braten als Affront empfinden könnten, füge ich schnell hinzu, dass es dazu süßen Senf und echtes deutsches Weißbier, ungebraten, gab, zusätzlich als Beilage Spaghetti mit Parmesankäse. Es hat himmlisch geschmeckt. Sonst hätte ich auch wirklich Probleme bekommen, denn heute morgen gab es vor dem sehr frühen Abflug nach Bissau erstmal nichts zu essen. Carlos holte mich vom Flughafen ab (schon wieder Grenzmagie, ich bekam anstandslos ein Gratisvisum). Wir haben eine Verabredung mit dem Kultusminister von Bissau. Allerdings kommt der Karneval dazwischen, wir sitzen im Ministerium und warten, dass der Minister die Schönheitskönigin der westafrikanischen Staaten krönt. Kein schlechter Job, und eigentlich auch angenehm für Auge und Herz, wenn mir nicht der Magen bis zu den Schuhen herunterhängen würde, ich musste ihn schon mehrfach wieder hochziehen. Wenn ich doch nur eine Weißwurst hätte, gebraten, gekocht, geraspelt oder püriert, her damit!
Später

Schließlich empfing uns der Minister, der übrigens sehr gut Deutsch spricht, seine Frau war Deutsche und er hat das Fach früher unterrichtet. So war es ein Leichtes, sich mit ihm zu verständigen. Er versicherte uns seiner vollen Unterstützung und gab dem Generalsekretär Anweisung, mit uns zusammen zu arbeiten. Er sagte mir wörtlich: "Wir sind zwar arm, aber wir öffnen unsere Herzen..." Gegen Ende des Gesprächs sprach ich ihn auf das allgegenwärtige Plastik an, erwähnte das positive Beispiel Mauretaniens und bat ihn, darauf einzuwirken, dass auch in Guinea der Verkauf von Plastiktüten verboten werde. Er antwortete mir, dass das entsprechende Gesetz schon auf den Weg gebracht sei, eine gute Nachricht, und dass es übrigens eine mauretanische Firma sei, die das Gros des Profits mit Plastiktüten gemacht habe....so, so. Auf jeden Fall wird das BujazzO mit den afrikanischen Künstlern und seinem Programm hochwillkommen sein. Carlos und ich werden in den folgenden Tagen das Programm für Guinea ausarbeiten und gemeinsam mit dem Generalsekretär in die Wege leiten.
Dann ging es endlich! zum Essen. Carlos und ich hatten uns seit einigen Monaten nicht gesehen, und so feierten wir unser Wiedersehen anständig mit den guineeischen Camaroes, darauf hin gab es Pica, einen der Goldbrasse ähnlichen Fisch und - da Guinea ein überwiegend christlich-animistisches Land ist, trinkt man dort Alkohol - einen guten Brandy oder zwei. Der Abend endete in den sogenannten Barracas, die für den Karneval aufgebaut werden, erst gegen Mitternacht. Schön, schon wieder von Freunden empfangen zu werden!

Invisible

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Sonntag, 03 Februar 2013 23:38

03.02.2013

Invisible

Heute morgen habe ich zunächst das Centre Culturel Francais besucht und mit M.Bourdais, dem stellvertretenden Leiter gesprochen, den ich letztes Jahr kennengelernt hatte und mit dem ich seither in Kontakt stand. Die sowieso schon drei Meter hohe Mauer um Botschaft und Institut ist noch um zwei Meter Stacheldraht gewachsen. M.Bourdais und ich waren uns schnell einig, dass Mauretanien nicht auf der Liste der Länder steht, die wir mit dem BujazzO bereisen werden. Zum Einen gibt es eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes, zum Anderen beklagte M.Bourdais, dass er seit Ausbruch des Krieges in Mali überhaupt keine Veranstaltungen mehr durchführen dürfte; wie schade, war doch das Institut ein großer Förderer der Künste und der einheimischen Musiker. Aber wir beide geben nicht auf, vielleicht gibt es später noch eine Gelegenheit zur Zusammenarbeit. Der Besuch der Deutschen Botschaft versetzte mir einen regelrechten Schock, schien man mich doch dort als unverantwortlichen Hasardeur zu betrachten, der leichtfertig sei Leben aufs Spiel setzt! Nun reise ich schon ziemlich lange durch die Welt, und obwohl in Mali Krieg ist und vielleicht auch im Norden Mauretaniens die hier sogenannten Integristen ihr Rückzugsgebiet finden, so schien mir doch die Wagenburgmentalität der Deutschen übertrieben, jedenfalls waren die Franzosen cooler. Vielleicht straft mich der weitere Verlauf meiner Reise Lügen-hoffentlich nicht!-, aber mir ist doch auch im Gespräch mit anderen Deutschen aufgefallen, dass ich sozusagen low-profile reise. Die Anweisung an deutsche Beschäftigte in Nouakchott lautet, nicht zu Fuß zu gehen, nicht die Stadt zu verlassen etc. Ob man weniger auffällt, wenn man in dicken Toubab-Autos durch die Gegend fährt, wage ich zu bezweifeln(wie übrigens auch die hier schon lange lebenden Europäer), aber ich verstehe natürlich die Pflicht der Botschaft, Landsleute zu warnen. Außerdem leben sie in der Botschaftsenklave, die sie selten verlassen und sind natürlich markantere Ziele als ich es offensichtlich darstelle. Ich hatte mir wegen des Sandes gleich morgens einen Turban gekauft und war urplötzlich unsichtbar, wirklich, der Unterschied war eklatant, niemand schien mich als Weißen wahrzunehmen, ich wurde sogar auf Arabisch angesprochen, ich glaube, der Herr wollte mich nach dem Weg fragen. Als ich meine mauretanischen Freunde auf das Thema ansprach, beklagten auch sie die wachsende Unsicherheit der Europäer; aber was will man machen? Ein Drama, das sich hoffentlich bald zum Besseren wendet!
Mittags ging ich zu Maalouma, wo mich Aly und Maaloumas Bruder erwarteten und sogleich in ihr neues Projekt einbanden. Die musique maure, die aus genau den Gegenden stammt, die im Moment als das Aufmarschgebiet der Islamisten gelten, ist im Begriff, zu verschwinden. Maalouma als eine der letzten wirklichen Repräsentantinnen dieser Musik ist bestrebt, sie für die nachfolgenden Musikergenerationen zu bewahren, und hat mich gebeten, mit ihr und Aly zusammen die Theorie dieser Musikform zu notieren, ein sehr interessantes Angebot. Ich wurde als erstes eingeweiht in die verschiedenen pentatonischen Modi der maurischen Musik. Jede dieser Modi ist unterteilt in einen schwarzen, einen weißen und einen gemischten "Weg", und jeder dieser Wege kann wiederum "geschwärzt" oder
"geweißt" werden; nachdem, was ich bis jetzt verstanden habe, scheinen mir die "Blue notes" des Jazz unmittelbar mit diesen Färbungen zu tun zu haben. Klar, dass ich mich nach der jetzt anstehenden BujazzO-Reise damit beschäftigen werde, so werde ich also hoffentlich wieder nach Mauretanien zurückkehren. Morgen gibt's dann weitere Instruktionen, ich werde davon getreulich berichten. Bonne Nuit!