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03.02.2013

Invisible

Heute morgen habe ich zunächst das Centre Culturel Francais besucht und mit M.Bourdais, dem stellvertretenden Leiter gesprochen, den ich letztes Jahr kennengelernt hatte und mit dem ich seither in Kontakt stand. Die sowieso schon drei Meter hohe Mauer um Botschaft und Institut ist noch um zwei Meter Stacheldraht gewachsen. M.Bourdais und ich waren uns schnell einig, dass Mauretanien nicht auf der Liste der Länder steht, die wir mit dem BujazzO bereisen werden. Zum Einen gibt es eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes, zum Anderen beklagte M.Bourdais, dass er seit Ausbruch des Krieges in Mali überhaupt keine Veranstaltungen mehr durchführen dürfte; wie schade, war doch das Institut ein großer Förderer der Künste und der einheimischen Musiker. Aber wir beide geben nicht auf, vielleicht gibt es später noch eine Gelegenheit zur Zusammenarbeit. Der Besuch der Deutschen Botschaft versetzte mir einen regelrechten Schock, schien man mich doch dort als unverantwortlichen Hasardeur zu betrachten, der leichtfertig sei Leben aufs Spiel setzt! Nun reise ich schon ziemlich lange durch die Welt, und obwohl in Mali Krieg ist und vielleicht auch im Norden Mauretaniens die hier sogenannten Integristen ihr Rückzugsgebiet finden, so schien mir doch die Wagenburgmentalität der Deutschen übertrieben, jedenfalls waren die Franzosen cooler. Vielleicht straft mich der weitere Verlauf meiner Reise Lügen-hoffentlich nicht!-, aber mir ist doch auch im Gespräch mit anderen Deutschen aufgefallen, dass ich sozusagen low-profile reise. Die Anweisung an deutsche Beschäftigte in Nouakchott lautet, nicht zu Fuß zu gehen, nicht die Stadt zu verlassen etc. Ob man weniger auffällt, wenn man in dicken Toubab-Autos durch die Gegend fährt, wage ich zu bezweifeln(wie übrigens auch die hier schon lange lebenden Europäer), aber ich verstehe natürlich die Pflicht der Botschaft, Landsleute zu warnen. Außerdem leben sie in der Botschaftsenklave, die sie selten verlassen und sind natürlich markantere Ziele als ich es offensichtlich darstelle. Ich hatte mir wegen des Sandes gleich morgens einen Turban gekauft und war urplötzlich unsichtbar, wirklich, der Unterschied war eklatant, niemand schien mich als Weißen wahrzunehmen, ich wurde sogar auf Arabisch angesprochen, ich glaube, der Herr wollte mich nach dem Weg fragen. Als ich meine mauretanischen Freunde auf das Thema ansprach, beklagten auch sie die wachsende Unsicherheit der Europäer; aber was will man machen? Ein Drama, das sich hoffentlich bald zum Besseren wendet!
Mittags ging ich zu Maalouma, wo mich Aly und Maaloumas Bruder erwarteten und sogleich in ihr neues Projekt einbanden. Die musique maure, die aus genau den Gegenden stammt, die im Moment als das Aufmarschgebiet der Islamisten gelten, ist im Begriff, zu verschwinden. Maalouma als eine der letzten wirklichen Repräsentantinnen dieser Musik ist bestrebt, sie für die nachfolgenden Musikergenerationen zu bewahren, und hat mich gebeten, mit ihr und Aly zusammen die Theorie dieser Musikform zu notieren, ein sehr interessantes Angebot. Ich wurde als erstes eingeweiht in die verschiedenen pentatonischen Modi der maurischen Musik. Jede dieser Modi ist unterteilt in einen schwarzen, einen weißen und einen gemischten "Weg", und jeder dieser Wege kann wiederum "geschwärzt" oder
"geweißt" werden; nachdem, was ich bis jetzt verstanden habe, scheinen mir die "Blue notes" des Jazz unmittelbar mit diesen Färbungen zu tun zu haben. Klar, dass ich mich nach der jetzt anstehenden BujazzO-Reise damit beschäftigen werde, so werde ich also hoffentlich wieder nach Mauretanien zurückkehren. Morgen gibt's dann weitere Instruktionen, ich werde davon getreulich berichten. Bonne Nuit!

Read 9143 times Last modified on Sonntag, 10 Februar 2013 18:15

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