Mike Herting und Djibi Diabate spielen gemeinsam auf dem Jazzfestival in Saint-Louis, Senegal

Written by  Donnerstag, 07 Juni 2012 19:05
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Gleich zu Anfang meiner einmonatigen Residenz in Westafrika im Auftrag des Goethe-Instituts habe ich den Balaphonspieler Djibi Diabate kennengelernt. Norbert Hausen vom Institut in Dakar hatte mir eine Liste von Clubs gegeben, in denen örtliche und auch nationale Künstler spielen, und ich habe eine Menge davon besucht und tatsächlich eine Reihe von Musikern gehört und kennengelernt. Djibi spielte mit seiner Band und eine Sängerin kam spontan dazu.

Danach sprach ich kurz mit ihm und erfuhr, dass er ein Diabate, also Mitglied einer griot-Familie ist. Mir gefiel, dass er sehr verwurzelt mit seiner Kultur erschien, und ich suchte ja für eine Tournee mit dem BundesjazzOrchester in Westafrika, die sich in der Planung befindet, afrikanische Musiker für Begegnung und Zusammenarbeit.

Ein wenig später verbrachten wir einen Nachmittag zusammen in Dakar, der in einem Straßengeschäft voller kleiner Instrumente endete, indem wir mit dem vorhandenen Spielzeug gemeinsam musizierten. Kurz nach meiner Rückkehr nach Deutschland kam dann das Angebot, mit Djibi gemeinsam auf dem Festival in Saint-Louis aufzutreten, das wir beide natürlich freudig annahmen.

Das GlobalMusicOrchestra hat genau diese Art von Zusammenarbeit im Visier und ich gebe gern zu, dass ich mich vorbereitet, neue Kompositionen erstellt und tüchtig geübt habe im Vorfeld meiner einwöchigen Reise nach Saint-Louis und das war auch nötig, wie sich erwiesen hat. Denn gleich nach Ankunft in Saint-Louis gingen die Proben los und Djibi erwies sich sofort als wunderbarer Partner, nicht nur in der Musik, sondern auch im Zusammenleben. Unser Proberaum lag draußen vor dem Hotelzimmer und die stets vorhandenen Fliegen schärften nur noch unsere Fähigkeiten in der Unabhängigkeit unserer Hände, indem wir wechselnd mit der einen weiterspielten und mit der anderen die lästigen Insekten verscheuchten. Getreu der griot-Tradition, die wie alle afrikanischen eine orale ist, hat Djibi ein sehr gutes Ohr, eine schnelle Auffassungsgabe und ein gutes Gedächtnis, Fertigkeiten die ich genauso an ihm bewundere, wie er meine Fähigkeit, seine Melodien sofort aufzuschreiben und sie am Tag danach wieder abspielen zu können. Es ergaben sich sehr schöne Momente, wenn zum Beispiel Djibi eine meiner Kompositionen im Handstreich vollkommen veränderte und die Führung übernahm, oder im Gegenzug ich seine Kompositionen aufnahm und ihm durch mein Spiel neue Sichtweisen auf seine Musik und auch die meine vermitteln konnte. Kurzum, wir waren die ganze Zeit vollkommen im „flow“, dem Zustand der glückseligen Konzentration, und das näher rückende Konzert erzeugte die nötige Spannung und Energie, um den Prozess weiter zu befeuern.

Den Auftritt auf dem Festival kann ich, wie jedes Konzert, an dem ich beteiligt bin, nicht beschreiben, höchstens das Gefühl danach, als uns beiden bewusst wurde, dass wir ganz gut gespielt hatten und dass es darüber hinaus dem Publikum gefallen hatte. Und zwar in einem Maße, das uns beide erfreute, denn offensichtlich war nicht nur die Musik übergesprungen, sondern irgendwie auch unser Anliegen sichtbar geworden, dass ganz einfach in der Art unserer Zusammenarbeit besteht und auf Musik, gegenseitigem Respekt und offenem Herz und Geist für den Anderen und seine Kultur beruht. Klar, dass diese Erfahrung weiter gehen muss und wird, denn schon habe ich Djibi für ein Konzert nach Deutschland eingeladen und eine CD werden wir auch machen!

 

GlobalMusicOrchestra @ St. Louis Jazzfestival: Djibi Diabate and Mike Herting


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